Gen Z bricht alle Regeln – und rettet damit die Personalentwicklung
Gen Z wird oft als "schwierig" abgestempelt – zu anspruchsvoll, zu ungeduldig, zu digital. Doch was, wenn diese Generation genau das liefert, was Personalentwicklung seit Jahren braucht: einen radikalen Reality-Check? Eine PwC-Studie zeigt: 73 Prozent der Mitarbeitenden aller Altersgruppen bevorzugen mittlerweile digitale, selbstgesteuerte Lernformate gegenüber traditionellen Präsenzschulungen. Was als generationsspezifische Forderung begann, wird zum neuen Standard.
Die Gen-Z-Forderungen: Radikal und richtig
Gen Z will keine jährlichen Schulungskataloge – sie wollen
relevante, personalisierte und sofort anwendbare Inhalte, die nahtlos in ihre
tägliche Arbeit integriert sind. Anitha Sarathy, India Head of People and
Culture bei Encora Inc., beschreibt den Shift: "Wir sind von statischen,
rollenbasierten Trainingsplänen zu dynamischen, karrierezentrierten Ökosystemen
übergegangen". Das bedeutet: KI-kuratierte Lernpfade, die sich an
individuelle Aspirationen anpassen, und Lernmöglichkeiten, die in echte
Workflows eingebettet sind statt isolierte Events zu sein.
Die Zahlen belegen den Erfolg: Bei Encora haben
Microlearning, Kohorten-basierte Bootcamps und interne Zertifizierungen die
höchste Engagement-Rate. Gen Z schätzt Peer-Interaktion, strukturierte aber
flexible Pfade und sichtbare Meilensteine. Das ist keine verwöhnte
Anspruchshaltung – es ist intelligentes Lernen. Warum sollte jemand 8 Stunden
in einem Seminarraum sitzen, wenn die Kerninhalte in 30 Minuten Microlearning
vermittelt werden können?
Key Takeaways:
- 73
Prozent aller Mitarbeitenden bevorzugen digitale, selbstgesteuerte
Lernformate
- Gen
Zs Präferenz für Microlearning und Peer-Learning wird
generationsübergreifend adaptiert
- Adoption
von Microlearning und Coaching ist um 25 Prozent gestiegen
- Bei
Providence führte Gen-Z-orientiertes Learning zu reduzierten Fehlzeiten
und höherer Produktivität
- Reverse
Mentoring bricht generationale Silos und fördert Innovation
Microlearning: Kurz, knackig, wirksam
Gen Z hat keine Geduld für zweistündige PowerPoint-Marathons
– und das ist gut so. Microlearning-Module ziehen Tausende Views innerhalb von
Tagen, weil sie mobilfreundlich, interaktiv und sofort anwendbar sind. Die
Haufe-Akademie-Studie bestätigt: 60 Prozent der Unternehmen setzen auf kurze
Lerneinheiten, die sich nahtlos in den Workflow integrieren lassen.
Der Erfolg von Microlearning liegt nicht nur in der Kürze,
sondern in der Relevanz. Gen Z will keine Theorie lernen, die sie vielleicht
irgendwann mal brauchen könnte. Sie wollen Lösungen für Probleme, die sie heute
haben. Ein fünfminütiges Video "Wie nutze ich KI zur Datenanalyse"
hat mehr Impact als ein zweitägiger Workshop "Einführung in Business
Intelligence" – weil es konkret, anwendbar und im Moment des Bedarfs
verfügbar ist.
Praxis-Beispiel:
Situation: Ein Fintech-Startup mit 120 Mitarbeitenden
(Durchschnittsalter: 28 Jahre) führt klassische Onboarding-Programme durch: 3
Tage Präsenztraining, umfangreiche Dokumentation, obligatorische
E-Learning-Module.
Problem: Feedback zeigt: Neue Mitarbeitende fühlen
sich overwhelmed, vergessen 70 Prozent der Inhalte nach zwei Wochen, und die
Produktivität steigt erst nach 8 Wochen signifikant.
Analyse: Gen-Z-Mitarbeitende lernen anders: Statt
frontaler Wissensvermittlung bevorzugen sie Learning by Doing, Peer-Support und
Just-in-Time-Informationen. Das alte Modell war für Wissensbewahrung optimiert,
nicht für Wissensanwendung.
Lösung: Neugestaltung des Onboardings: Tag 1
fokussiert auf Unternehmenskultur und Netzwerkaufbau. Fachliche Inhalte werden
als Microlearning-Nuggets (5-10 Minuten) bereitgestellt, abrufbar bei Bedarf.
Jeder Neuling bekommt einen Peer-Mentor (nicht Führungskraft). Nach 4 Wochen:
Zufriedenheit steigt um 35 Prozent, Produktivität erreicht früher das
Ziel-Level (Woche 5 statt Woche 8), Retention nach 6 Monaten verbessert sich um
18 Prozent.
Der unterschätzte Gamechanger: Reverse Mentoring
Gen Z bringt nicht nur neue Lernpräferenzen, sondern auch
neues Wissen: Digital Natives verstehen Technologie intuitiv, sind versiert in
Social Media und bringen frische Perspektiven auf Kunden- und Markttrends.
Reverse Mentoring – junge Mitarbeitende coachen ältere Führungskräfte – bricht
generationale Silos und fördert Innovation.
Die Wirkung ist beidseitig: Führungskräfte gewinnen Insights
zu digitalen Trends, moderne Kommunikationskanäle und Gen-Z-Erwartungen. Junge
Mitarbeitende entwickeln Coaching-Skills, bauen strategisches Denken auf und
verstehen Führungskomplexität besser. Das Ergebnis: Eine Lernkultur, die nicht
top-down diktiert wird, sondern in alle Richtungen fließt.
Was NICHT funktioniert:
- Gen
Z als "schwierige Generation" abstempeln
- Digitale
Tools einführen, aber analoge Prozesse beibehalten
- Microlearning-Plattformen
ohne Qualitätskontrolle (Quantität statt Qualität)
- Erwarten,
dass junge Mitarbeitende sich "traditionellen" Lernformaten
anpassen
- Peer-Learning
als informelles Geplauder abtun
Was funktioniert:
- Gen-Z-Präferenzen
als Blaupause für generationsübergreifendes Learning nutzen
- Lernformate
nach Relevanz und Anwendbarkeit bewerten (nicht nach Tradition)
- Peer-Mentoring
und Reverse Mentoring institutionalisieren
- Mobilfreundliche,
bite-sized Content-Strategien
- Lernen
als kontinuierlichen Prozess, nicht als Event
Die generationsübergreifende Revolution
Das Faszinierendste an Gen Zs Einfluss: Ihre Präferenzen
bleiben nicht in ihrer Alterskohorte. Die TalentLMS-Studie zeigt: Zufriedenheit
mit Training ist über alle Altersgruppen gestiegen – von 75 Prozent (2022) auf
84 Prozent (2025). Der Grund: Die Learning-Methoden, die für Gen Z entwickelt
wurden, funktionieren für alle. Ein 50-jähriger Manager schätzt Microlearning
genauso wie ein 25-jähriger Analyst – weil beide wenig Zeit haben und relevante
Inhalte brauchen.
Bei Providence führte der Gen-Z-orientierte Ansatz
(flexibel, tech-enabled, purpose-driven) zu 25 Prozent höherer Adoption von
Microlearning und Coaching über alle Generationen hinweg. Das Ergebnis:
gesteigertes Engagement, höhere Produktivität und reduzierte Fehlzeiten. Gen Z
hat nicht die Personalentwicklung gesprengt – sie hat sie endlich fit für die
Realität gemacht.
Schritt-für-Schritt: Gen-Z-Learnings für alle
Generationen adaptieren
Stufe 1: Analyse
- Befrage
Gen-Z-Mitarbeitende zu ihren Lernpräferenzen (Formate, Timing, Inhalte)
- Identifiziere
Gemeinsamkeiten mit anderen Generationen (Zeit-Knappheit, Relevanz-Hunger)
- Analysiere
aktuelle Engagement-Raten nach Lernformat und Altersgruppe
Stufe 2: Pilotierung
- Starte
Microlearning-Pilotprojekt in einer gemischten Altersgruppe
- Teste
Peer-Mentoring und Reverse-Mentoring parallel
- Sammle
quantitatives (Completion-Rates, Zufriedenheit) und qualitatives Feedback
Stufe 3: Skalierung
- Implementiere
erfolgreiche Formate unternehmens weit
- Baue
Content-Bibliothek mit mobilfreundlichen, kurzen Modulen auf
- Etabliere
Peer-Learning-Hubs (digital und physisch)
Stufe 4: Kontinuierliche Optimierung
- Nutze
KI-gestützte Empfehlungen für personalisierte Lernpfade
- Messe
Impact anhand von KPIs (Produktivität, Retention, Engagement)
- Iteriere
basierend auf Daten und Feedback – Learning-Strategie ist nie
"fertig"
Die Zukunft ist generationsübergreifend – und Gen Z hat
sie eingeleitet
Gen Z hat die Personalentwicklung nicht "kaputt
gemacht" – sie hat ein dysfunktionales System hinterfragt. Ihre
Forderungen nach Flexibilität, Relevanz und Technologie-Integration sind keine
Luxuswünsche, sondern essenzielle Anforderungen in einer Welt, in der Skills
schneller veralten als je zuvor. Unternehmen, die diese Prinzipien adaptieren,
profitieren messbar: höhere Zufriedenheit, bessere Retention, gesteigerte
Performance.
Die Frage ist nicht, ob du Gen Zs Ansprüche
"erfüllen" solltest. Die Frage ist, ob du dir leisten kannst, die
Lernmethoden zu ignorieren, die nachweislich funktionieren – für alle
Generationen.
Deine Aktion jetzt:
Starte ein Reverse-Mentoring-Programm. Paar eine Führungskraft mit einem
Gen-Z-Mitarbeitenden. Gib ihnen 6 Monate und beobachte, was passiert. Die
Ergebnisse werden dich überraschen.
Weitere Impulse zur Personalentwicklung findest du auf KPAuthor.io – und
diskutiere gerne in den Kommentaren: Wie lernt Gen Z in deinem Unternehmen?
Über den Autor:
Kyriakos Papadopoulos schreibt über Personalentwicklung, toxische Führung und die Zukunft der Arbeit. Seine Bücher: "Personalentwicklung: Zwischen Macht, Führung und Wirklichkeit". Mehr auf KPAuthor.io.
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